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8760 von Henning; 8760 by Henning

8760 Stunden: Kann Ihr Geschäftsmodell das auch?

Die Versorgung mit Energie geht uns alle an. Mit Energie können wir rund um die Uhr an 8760 Stunden im Jahr Dinge tun. Aber wie gelangt Strom, Gas und Wärme tagein tagaus sicher zu den vielen Millionen Verbrauchern? – Eine Liebeserklärung an die Energiewirtschaft.

Von Oliver D. Doleski

Energie bestimmt maßgeblich unser modernes Leben und ist Grundlage für Wachstum und Wohlstand moderner Industrienationen. Ein Leben ohne Energie – kaum vorstellbar! Heute ist die sichere Versorgung mit Strom, Gas und Wärme für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir sind es seit Jahrzehnten gewohnt, Strom zu jeder Zeit aus der Steckdose zu beziehen, das Licht bequem per Schalter einzuschalten oder die Raumtemperatur durch Betätigung eines Thermostats mühelos zu regulieren. Wer macht sich dabei schon Gedanken darüber, dass all diese Annehmlichkeiten Resultat einer gewachsenen, hochkomplexen Energieinfrastruktur sind?

Beherrschung des energiewirtschaftlichen Gesamtsystems

Energieversorgung ist angesichts Digitalisierung, Dezentralisierung und zunehmend regenerativer Erzeugung mehr denn je ein kochkomplexes Geschäft, geht es doch um die sichere, kosteneffiziente und nachhaltige Versorgung mehrerer Millionen Verbraucher täglich. Aber welche Leistung erbringt das energiewirtschaftliche Gesamtsystem tatsächlich? Was macht – wenn überhaupt – die Leistungen der Energiewirtschaft alles in allem besonders erwähnenswert? Zur Beantwortung dieser Fragen lohnt sich ein Blick auf einige ausgewählte Zahlen und Fakten der deutschen Versorgungswirtschaft.

Versorgungsnetze

Rückgrat moderner Energieinfrastrukturen sind Strom-, Gas- und Fernwärmenetze, ohne die eine sichere Energieversorgung undenkbar wäre. Die deutschen Netzbetreiber überwachen, steuern und warten permanent Netze von beeindruckender Länge. Am Beispiel des in mehrere Spannungsebenen unterteilten Stromnetzes werden die Ausmaße greifbar. So betrieben 2014 gemäß Monitoringbericht 2015 der Bundesnetzagentur die vier nationalen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) insgesamt 34.612 km Höchst- und Hochspannungsleitungen sowie die etwa 800 Verteilnetzbetreiber (VNB) insgesamt 1.772.400 km Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen. Hinzu kamen 2014 der Unterhalt und die Abrechnung von über 50 Millionen Stromzählern bei gewerblichen und privaten Verbrauchern. Aber auch die Zahlen des Gasnetzes Deutschlands sind nicht weniger beeindruckend. Immerhin betrug 2014 die Länge des Fernleitungsnetzes 37.580 km und die des Gasverteilnetzes 481.103 km.

Erzeugung

Aber nicht allein die absolute Länge der Netze ist Indiz für die enorme Leistungsfähigkeit der Energiewirtschaft. Auch die Energieproduktion wartet am Beispiel der Elektrizitätsversorgung mit einigen großen Zahlen auf. Nach Auskunft der AG Energiebilanzen e.V. betrug im Jahr 2015 die von Unternehmen aller Art und Privatkunden in Deutschland insgesamt verbrauchte Elektrizität 651,8 Milliarden Kilowattstunden (TWh); immerhin eine Eins mit 12 Nullen! Von diesen wurden bereits 195,9 Milliarden Kilowattstunden (TWh) von volatilen Erneuerbaren Energien (EE) gedeckt. Es ist hier hervorzuheben, dass es Netzbetreibern und Versorgungsunternehmen bislang gelungen ist, den schwankungsanfälligen Erzeugungsanteil wetterabhängiger Wind- und Solaranlagen von immerhin 30,1 % an der gesamten Bruttostromproduktion nahezu störungsfrei in die Stromnetze integriert zu haben. Schließlich ist es den Akteuren des Energiesektors zu verdanken, dass es bisher nicht zu den gefürchteten Blackouts gekommen ist, auch wenn der grüne Strom der etwa 26.000 Windenergieanlagen (WEA) und 1,5 Millionen Fotovoltaikanlagen (Stand Ende 2015) wetterbedingt einmal ausgeblieben oder alternativ sogar zu reichlich geflossen ist.

Netzeingriffe

Zur Beherrschung des komplexen Energiesystems sind regelmäßig umfangreiche Steuerungseingriffe in die Versorgungsnetze unverzichtbar. Besonders eklatant sind diese Stabilisierungsmaßnahmen im Falle der Elektrizitätsversorgung. Angesichts von über 30 % volatiler, wetterabhängiger Einspeisung sind heute erhebliche Eingriffe zur Stabilisierung der Netze (strom- und spannungsbedingte Redispatchmaßnahmen) und damit zur Gewährleistung der Netz- und Systemsicherheit an der Tagesordnung. Der Monitoringbericht 2015 der Bundesnetzagentur weist für das Jahr 2014 an 330 Tagen Redispatcheingriffe in das Stromnetz aus, was einem Gesamtvolumen von 5.197 Millionen Kilowattstunden (GWh) entspricht. Oder anders ausgedrückt sind die Akteure der Energiewirtschaft, zur Vermeidung von Blackouts, beinahe täglich zu größeren, systemstabilisierenden Eingriffen in das Stromnetz gezwungen.

8760 – Eine Branche, die niemals schläft

Zugegeben – die Akteure der Energiewirtschaft verfolgen wirtschaftliche Interessen. Sie streben die Realisierung von Gewinnen als zwingendes Erfordernis für ihr eigenes Überleben an. Schließlich gelingt es nur denjenigen Wirtschaftssubjekten, die regelmäßig positive Betriebsergebnisse erwirtschaften, ökonomische Risiken in Form von Investitionen und Innovationen eingehen zu können sowie Beschäftigung zu sichern. Insofern unterscheiden sich Stadtwerke und Co. nicht von Unternehmen anderer Branchen. Was allerdings den Energiesektor von anderen Industriezweigen klar unterscheidet ist dessen Systemdienlichkeit und Verantwortung für die Gesellschaft. Immerhin basiert unser modernes Leben zum größten Teil auf der ausreichenden Verfügbarkeit von Energie. Man stelle sich nur einen einzigen Tag ganz ohne Energieversorgung vor: Nirgends elektrisches Licht, Mobiltelefone versagen uns nach Ende ihrer Akkulaufzeit den Dienst, Ampelanlagen auf unseren Straßen bleiben dunkel, einmal abgesehen von wenigen Stunden Notstrom erfolgt in Krankenhäusern keine Behandlung mehr und nicht zuletzt können wir nirgends Wasser oder Kraftstoff beziehen, weil keine moderne Pumpe ohne Strom arbeitet.

Die Energieinfrastruktur dient mit ihrem komplexen Zusammenspiel von Kraftwerken, Leitungen, Phasenschiebern, Transformatoren, Speichern und Verbrauchsstellen nicht zuletzt dem Gemeinwohl und schläft dabei nie. Energiekonzerne, Regionalversorger, Stadtwerke und Netzbetreiber versorgen viele Millionen Menschen und hunderttausende Unternehmen an 8760 Stunden im Jahr mit einem Maximum an Stabilität mit Strom, Gas und Wärme. Den Akteuren der Energiewirtschaft gelingt es seit Jahrzehnten an 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr die komplexen Strukturen des deutschen und europäischen Energiesystems sicher und zum Wohle der gesamten Gesellschaft zu betreiben.

Dazu bedarf es neben ausgereiften Geschäftsprozessen vor allem eines umfassenden Überblicks über Technik, Ökonomie und Recht gleichermaßen. Insofern ist die Energiebranche heute mehr denn je ein Tummelplatz für engagierte Ingenieure, Techniker, Informatiker, Ökonomen und Juristen. Menschen, von denen viele in Leitständen oder Notdiensten rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen, für unsere Versorgungssicherheit sorgen. 8760 Stunden Energie – Dafür Danke!

Geschrieben von Oliver D. Doleski

→ Bild: © Henning (10 Jahre)

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Utility 4.0 von Oliver D. Doleski; Utility 4.0 by Oliver D. Doleski

Industrie 4.0 in der Energiewirtschaft: Utility 4.0

Digitalisierung steht heute in vielen Branchen ganz oben auf der Tagesordnung. Wo man hinschaut, Themen wie digitale Transformation, Internet of Things sowie Innovationsmanagement beherrschen Fachdiskussionen und Praxis gleichermaßen. Vor allem im deutschsprachigen Raum konnte sich für industrienahe Digitalisierungs-Initiativen inzwischen der Begriff Industrie 4.0 fest etablieren. Auf die Energiewirtschaft übertragen eröffnet dieser Ansatz die Chance auf neue Geschäftsmodelle für digitale Energiedienstleistungsunternehmen, den Utility 4.0.

Von Oliver D. Doleski

Nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automation durchläuft die Industrie mit der Digitalisierung derzeit die vierte industrielle Revolution. Im Zuge dieser vorläufig letzten Entwicklungsphase treten eine wachsende Anzahl von Akteuren forschender und produzierender Wirtschaftssektoren in eine durch IT und Internet bestimmte Welt ein. Am Ende dieses Transformationsprozesses verwandeln sich heutige Produktions- und Logistikunternehmen zu smarten Akteuren der Industrie 4.0. Dank ausgeprägter Parallelen alles in allem ein Vorgang, der sich mühelos auf die Energiewirtschaft übertragen lässt. Seit Beginn des Elektrizitätszeitalters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat auch die Energiewirtschaft bislang drei zentrale Entwicklungsstufen durchlaufen. Vergleichbar mit der Entwicklung in der Industrie stehen inzwischen auch Energiekonzerne, Regionalversorger und Stadtwerke am Beginn einer bislang letzten, vierten Phase.

Vom klassischen Versorgungswerk zum digitalen Energiedienstleister

Angesichts dieser Parallelen bedient sich Utility 4.0 keineswegs zufällig der sprachlichen Analogie zur aktuellen Hightech-Initiative Industrie 4.0 der produzierenden Wirtschaft. Alles begann mit Energieverteilungsunternehmen, den Utilities 1.0, die kabelgebunden Strom über weite Strecken zu den Verbrauchern transportierten. Mit der in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einsetzenden Liberalisierung und Deregulierung begann eine neue Epoche. Während im entstehenden liberalisierten Markt die Letztverbraucher sich ihre Versorger frei auswählen konnten und so vom reinen Abnehmer zum mündigen Kunden verwandelten, erfolgte auf der Anbieterseite eine Trennung von Netzbewirtschaftung und Energievertrieb. An die Stelle der Energieverteilungsunternehmen traten zunächst die bekannten Energieversorgungsunternehmen (EVU) oder Utilities 2.0. Seit etwa 2011 zeichnete sich allerdings die Tendenz ab, dass EVU nicht mehr ausschließlich Energie verkaufen, sondern als Energiedienstleistungsunternehmen (EDU) oder Utilities 3.0 umfassende Services und erweiterte Produkte ihren Kunden anbieten. Inzwischen stehen diese EDU am Beginn der digitalen Transformation, bei der die energiewirtschaftlichen Prozesse weitgehend digitalisiert ablaufen. Perspektivisch entstehen dabei digitale Energiedienstleistungsunternehmen (eEDU) oder Utilities 4.0, deren Leistungsangebote vorwiegend vernetzt, flexibel und dienstleistungsorientiert sein werden.

Geschäftsmodelle von Utility 4.0

Nach Zuteilung, Versorgung und Dienstleistung läutet somit auch in der Energieversorgung der Trend zur Digitalisierung ein neues Zeitalter ein. Durch die Verschmelzung von Energiemarkt einerseits und Informationstechnologie andererseits können sich – vergleichbar mit anderen Wirtschaftszweigen zuvor – zahlreiche neue Geschäftsmodelle im Energiesektor etablieren. Vieles spricht heute dafür, dass Versorgungsunternehmen vor dem Hintergrund wachsender Kundenanforderungen, steigender Prozesskomplexität und großer Datenmengen nur dann erfolgreich im zunehmend kompetitiven Energiemarkt bestehen können, wenn sie ihren Kunden eine innovative Kombination von Services aus konsequenter Kundenorientierung, gelebter Dienstleistungsmentalität, glaubhafter Gemeinwohlorientierung und insbesondere klarem Technologiefokus anbieten. Angesichts des Umstands, dass die Berücksichtigung dieser Erfolgsfaktoren gewichtigen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg von Stadtwerken und Co haben, müssen diese Faktoren in den erfolgversprechenden Betätigungsfeldern Energiedienstleistungen, Dezentralität und Infrastruktur Anwendung finden. Nur so entstehen zukunftsfähige Geschäftsmodelle im Kontext von Utility 4.0, die ihrerseits die Chancen erhöhen, in der Energiewelt von morgen vornehmlich als digitale Energiedienstleistungsunternehmen bestehen zu können.

Zur Vertiefung der Thematik ist im Verlag Springer Vieweg das Booklet „Utility 4.0 – Transformation vom Versorgungs- zum digitalen Energiedienstleistungsunternehmen“ erschienen. Darin wird auf wenigen Seiten komprimiert der epochale Veränderungsprozess vom monopolistischen Versorgungs- zum digitalen Energiedienstleistungsunternehmen beschrieben. Das kompakte Buch beschränkt sich dabei nicht allein auf die reine Beschreibung dieses Transformationsprozesses. Vielmehr bietet es dem Leser darüber hinaus sowohl einen prägnanten Überblick über profitable Betätigungsmöglichkeiten digitaler Energiedienstleistungsunternehmen (Utility 4.0) als auch eine anwendungsorientierte Methode zur Realisierung neuer Geschäftsideen in der digitalen Energiewelt von morgen. Mit einem intuitiv verständlichen Leitfaden zur praktischen Umsetzung der digitalen Transformation in der Energiewirtschaft schließt das Buch.

Geschrieben von Oliver D. Doleski

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Willkommen beim GESCHÄFTSMODELL FORUM, der Internetplattform für Geschäftsmodellevolution

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

ein herzliches Willkommen beim GESCHÄFTSMODELL FORUM, der neuen Internetplattform für Geschäftsmodellevolution, die mit dem heutigen 10. Oktober 2015 live geschaltet wurde. Derzeit gleicht das neue Portal einem im Rohbau befindlichen Gebäude, das in den kommenden Wochen sukzessive mit Inhalten gefüllt wird. Lassen Sie sich überraschen, wie sich dieses Portal entwickeln wird. Wir sind jedenfalls sehr gespannt …

Geschäftsmodell ForumZiel von GESCHÄFTSMODELL FORUM ist es, Ihnen ein umfassendes Informationsangebot rund um das ebenso breite wie spannende Themenfeld Geschäftsmodellevolution und Business Development anzubieten. Neben der Präsentation konzeptioneller Grundlagen liegt der Schwerpunkt des GESCHÄFTSMODELL FORUMS auf der Information über Trends und Beachtenswertes rund um Geschäftsmodelle aus einer Hand.

Beste Grüße aus München

Oliver Doleski

Geschrieben von Oliver D. Doleski

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