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Diesel-Gipfel: Geschäftsmodell kaschiert Fehler

Als Ergebnis des Diesel-Gipfels werden Diesel-PKW mit Euro-5- und Euro-6-Norm von den Herstellern für deren Kunden kostenfrei per Software-Update modernisiert. Aber was ist mit älteren Dieselfahrzeugen? Ein Blick auf ein interessantes Geschäftsmodell dank Diesel-Gipfel.

Von Oliver D. Doleski

Die Notwendigkeit der Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten und die Forderung nach umweltbewusster Mobilität steht außer Frage. Aber was bedeutet der Diesel-Kompromiss für viele Fahrzeughalter über den Umweltaspekt hinaus? Fahrzeughalter von Euro-5- und Euro-6-Norm-Dieselautos erhalten zumindest ein kostenfreies Software-Update. Für Besitzer älterer Dieselfahrzeuge mit Euro-4-Norm und geringer war der 02. August 2017 jedoch ein ganz besonderer Tag. – Sie haben jetzt das Nachsehen.

Millionen Fahrzeugbesitzer sind betroffen

Heute beträgt der Anteil von Euro-4-Diesel am Gesamtbestand von Dieselfahrzeugen etwa ein Viertel (23 Prozent). Im Falle von Euro-3 sind dies immerhin noch etwa 13 Prozent und schließlich entfallen 5 Prozent auf Euro-2-Norm-Fahrzeuge. Damit machen Euro-4-Fahrzeuge und niedriger mehr als 40 Prozent des Diesel-Fahrzeugbestands in Deutschland aus – dies sind immerhin etwa 6 Millionen Fahrzeuge.

Diesel-2-, -3- und -4-Fahrzeuge werden schon bald mit Fahrverboten in vielen Städten belegt werden. Damit werden diese Fahrzeugbesitzer de facto enteignet, können sie ihre Fahrzeuge in vielen Fällen nicht oder nur noch sehr eingeschränkt nutzen. Dies ist insofern problematisch, da ein Großteil dieser Autofahrer Berufspendler, Handwerker etc. sind, für die der Kauf eines Neuwagens nicht selten eine große finanzielle Hürde darstellen dürfte. Denn wer fährt schon aus lauter Fahrfreude einen alten Diesel?

Kaufanreize vonseiten der Automobilindustrie

Ein Ergebnis des Diesel-Gipfels ist, dass die Autoindustrie für ältere Dieselfahrzeuge Kaufanreize in Form von Prämien – im Gespräch sind unter anderem 2.000 EUR – anbieten wird. Damit soll über die Verjüngung und damit Modernisierung der Fahrzeugflotte die Umweltbelastung durch Alt-Diesel insgesamt merklich sinken.

Was sich auf den ersten Blick als umweltpolitisch durchaus positives Engagement der gescholtenen Automobilfirmen erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als ein cleveres, mithin lukratives Geschäftsmodell. So werden viele Millionen Autofahrer in der Konsequenz des Diesel-Gipfels über Nacht gewissermaßen zu Zwangs-Neukunden der Fahrzeughersteller. Bislang technisch fahrtüchtige Fahrzeuge müssen wegen zu erwartender Fahrverbote deutlich früher als von ihren Haltern ursprünglich geplant ersetzt werden. Während diese Kunden so einen ökonomischen Schaden verkraften müssen, profitiert gleichzeitig die Automobilindustrie von diesem Kaufankurbelungsprogramm par excellence!

Ein gelungenes Geschäftsmodell – für die Autoindustrie

Ein gelungenes Geschäftsmodell. Immerhin können die Fahrzeughersteller dank der von ihnen selbst festzulegenden ‚Umwelt-Prämie‘, die übrigens vielerorts ohnehin lediglich den üblichen Preisnachlässen entsprechen dürfte, millionenfach ihre durchschnittlich 30.000 EUR bis 40.000 EUR teuren Neuwagen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln absetzen. Damit kurbeln diejenigen Akteure, die in den vergangenen Jahren zu wenig für eine wirklich saubere Dieseltechnologie getan haben, das eigene Geschäft auf dem Rücken der Verbraucher erheblich an. Ein Geschäftsmodell für Genießer – nur die Genießer sind wohl nicht die Altauto-Kunden.

Geschrieben von Oliver D. Doleski

→ Foto: © photoaquila™

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