Utility 4.0 von Oliver D. Doleski; Utility 4.0 by Oliver D. Doleski

Industrie 4.0 in der Energiewirtschaft: Utility 4.0

Digitalisierung steht heute in vielen Branchen ganz oben auf der Tagesordnung. Wo man hinschaut, Themen wie digitale Transformation, Internet of Things sowie Innovationsmanagement beherrschen Fachdiskussionen und Praxis gleichermaßen. Vor allem im deutschsprachigen Raum konnte sich für industrienahe Digitalisierungs-Initiativen inzwischen der Begriff Industrie 4.0 fest etablieren. Auf die Energiewirtschaft übertragen eröffnet dieser Ansatz die Chance auf neue Geschäftsmodelle für digitale Energiedienstleistungsunternehmen, den Utility 4.0.

Von Oliver D. Doleski

Nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automation durchläuft die Industrie mit der Digitalisierung derzeit die vierte industrielle Revolution. Im Zuge dieser vorläufig letzten Entwicklungsphase treten eine wachsende Anzahl von Akteuren forschender und produzierender Wirtschaftssektoren in eine durch IT und Internet bestimmte Welt ein. Am Ende dieses Transformationsprozesses verwandeln sich heutige Produktions- und Logistikunternehmen zu smarten Akteuren der Industrie 4.0. Dank ausgeprägter Parallelen alles in allem ein Vorgang, der sich mühelos auf die Energiewirtschaft übertragen lässt. Seit Beginn des Elektrizitätszeitalters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat auch die Energiewirtschaft bislang drei zentrale Entwicklungsstufen durchlaufen. Vergleichbar mit der Entwicklung in der Industrie stehen inzwischen auch Energiekonzerne, Regionalversorger und Stadtwerke am Beginn einer bislang letzten, vierten Phase.

Vom klassischen Versorgungswerk zum digitalen Energiedienstleister

Angesichts dieser Parallelen bedient sich Utility 4.0 keineswegs zufällig der sprachlichen Analogie zur aktuellen Hightech-Initiative Industrie 4.0 der produzierenden Wirtschaft. Alles begann mit Energieverteilungsunternehmen, den Utilities 1.0, die kabelgebunden Strom über weite Strecken zu den Verbrauchern transportierten. Mit der in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einsetzenden Liberalisierung und Deregulierung begann eine neue Epoche. Während im entstehenden liberalisierten Markt die Letztverbraucher sich ihre Versorger frei auswählen konnten und so vom reinen Abnehmer zum mündigen Kunden verwandelten, erfolgte auf der Anbieterseite eine Trennung von Netzbewirtschaftung und Energievertrieb. An die Stelle der Energieverteilungsunternehmen traten zunächst die bekannten Energieversorgungsunternehmen (EVU) oder Utilities 2.0. Seit etwa 2011 zeichnete sich allerdings die Tendenz ab, dass EVU nicht mehr ausschließlich Energie verkaufen, sondern als Energiedienstleistungsunternehmen (EDU) oder Utilities 3.0 umfassende Services und erweiterte Produkte ihren Kunden anbieten. Inzwischen stehen diese EDU am Beginn der digitalen Transformation, bei der die energiewirtschaftlichen Prozesse weitgehend digitalisiert ablaufen. Perspektivisch entstehen dabei digitale Energiedienstleistungsunternehmen (eEDU) oder Utilities 4.0, deren Leistungsangebote vorwiegend vernetzt, flexibel und dienstleistungsorientiert sein werden.

Geschäftsmodelle von Utility 4.0

Nach Zuteilung, Versorgung und Dienstleistung läutet somit auch in der Energieversorgung der Trend zur Digitalisierung ein neues Zeitalter ein. Durch die Verschmelzung von Energiemarkt einerseits und Informationstechnologie andererseits können sich – vergleichbar mit anderen Wirtschaftszweigen zuvor – zahlreiche neue Geschäftsmodelle im Energiesektor etablieren. Vieles spricht heute dafür, dass Versorgungsunternehmen vor dem Hintergrund wachsender Kundenanforderungen, steigender Prozesskomplexität und großer Datenmengen nur dann erfolgreich im zunehmend kompetitiven Energiemarkt bestehen können, wenn sie ihren Kunden eine innovative Kombination von Services aus konsequenter Kundenorientierung, gelebter Dienstleistungsmentalität, glaubhafter Gemeinwohlorientierung und insbesondere klarem Technologiefokus anbieten. Angesichts des Umstands, dass die Berücksichtigung dieser Erfolgsfaktoren gewichtigen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg von Stadtwerken und Co haben, müssen diese Faktoren in den erfolgversprechenden Betätigungsfeldern Energiedienstleistungen, Dezentralität und Infrastruktur Anwendung finden. Nur so entstehen zukunftsfähige Geschäftsmodelle im Kontext von Utility 4.0, die ihrerseits die Chancen erhöhen, in der Energiewelt von morgen vornehmlich als digitale Energiedienstleistungsunternehmen bestehen zu können.

Zur Vertiefung der Thematik ist im Verlag Springer Vieweg das Booklet „Utility 4.0 – Transformation vom Versorgungs- zum digitalen Energiedienstleistungsunternehmen“ erschienen. Darin wird auf wenigen Seiten komprimiert der epochale Veränderungsprozess vom monopolistischen Versorgungs- zum digitalen Energiedienstleistungsunternehmen beschrieben. Das kompakte Buch beschränkt sich dabei nicht allein auf die reine Beschreibung dieses Transformationsprozesses. Vielmehr bietet es dem Leser darüber hinaus sowohl einen prägnanten Überblick über profitable Betätigungsmöglichkeiten digitaler Energiedienstleistungsunternehmen (Utility 4.0) als auch eine anwendungsorientierte Methode zur Realisierung neuer Geschäftsideen in der digitalen Energiewelt von morgen. Mit einem intuitiv verständlichen Leitfaden zur praktischen Umsetzung der digitalen Transformation in der Energiewirtschaft schließt das Buch.

Geschrieben von Oliver D. Doleski

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